Geschichte und Wirtschaft der Gemeinde Bockhorn


Die Gegend war schon lange vor Christi Geburt besiedelt - das wird durch Funde bezeugt. Bockhorn wurde vielleicht gegründet, als die Friesen in die Geest eindrangen. Der Name der Gemeinde taucht zum ersten Mal in einer Urkunde aus dem Jahre 1220 auf. Zwei Sturmfluten brachten starke Landverluste und unermessliche Not über die Bevölkerung an der Nordseeküste.

Lange gehörte die Friesische Wehde und damit Bockhorn zu Rüstringen, 1428 überließ Siebet, Häuptling zu Rüstringen, dem Grafen Dietrich von Oldenburg und dessen Gemahlin Heilwig alle Ansprüche und Gerechtsamkeit dem Kirchspiel Frijade, seine Güter den Kirchspielen Varel, Bockhorn, Zetel und Horsten. Bald nach der Überlassung kam es zu Streitigkeiten. 1486 wurde die Westwehde nochmals an Ostfriesland verpfändet, bis durch den Frieden von Zetel 1517 die Friesische Wehde endgültig zu Oldenburg kam.

Während des dreißigjährigen Krieges zog Graf Anton Günter dänische Hilfstruppen heran, doch obwohl das Land von Brandschatzung und Plünderung verschont blieb, trat erst nach dem Friedensschluss 1648 allmählich eine Besserung der Verhältnisse ein. Die dänischen Könige waren gleichzeitig Grafen von Oldenburg und Delmenhorst. Als 1667 Anton Günter starb, gingen die Grafschaften an den König von Dänemark und Herzog von Holstein-Gottrop über, der bis 1773 über das Land herrschte. Das 19. Jahrhundert muss für die Friesische Wehde eine glückliche Zeit gewesen sein. Spinnerei und Weberei standen in voller Blüte. Die neu erstandene Ziegelindustrie trug zu dem wirtschaftlichen Aufschwung bei. Durch die Kriegszüge Napoleons begannen erneut schwere Zeiten für das Land. Das Herzogtum Oldenburg kam 1810 unter französische Verwaltung, unter der sowohl der Handel als auch die Bevölkerung zu leiden hatten. Die Franzosen zogen sich erst zurück, nachdem Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen worden war.


Im Laufe des 19. Jahrhunderts vollzog sich in Bockhorn in Bezug auf Industrie und Gewerbe ein bemerkenswerter Umschwung. Während in den 50er-Jahren noch die Baumwoll- und Leinenweberei in voller Blüte stand, ging sie nun immer weiter zurück, bis sie gegen Ende des Jahrhunderts völlig zum Erliegen kam. Dagegen nahm die Ziegelindustrie einen bedeutenden Aufschwung. Der Name Bockhorn wurde durch die Klinkerindustrie in ganz Europa bekannt.


Die in den Jahren 1888/1893 gebaute Eisenbahn Neuenburg - Zetel - Bockhorn - Ellenserdammersiel ließ die Friesische Wehde zu einem beliebten Ausflugsziel werden, bis die Bahn nach dem zweiten Weltkrieg an Bedeutung verlor.

Bis 1867 bestand die Friesische Wehde aus den Gemeinden Bockhorn und Zetel. Als die Gemeinde Neuenburg gebildet wurde, musste Bockhorn dazu die Ortschaft Astede und große Waldgebiete abtreten. Bockhorn, Neuenburg und Zetel wurden 1933 als Großgemeinde Friesische Wehde mit dem Sitz in Bockhorn zusammengefasst, 1948 aber wieder in die drei alten Gemeinden aufgeteilt.

Zur Gemeinde Bockhorn gehören neben dem Hauptort Bockhorn die Orte Adelheidsgroden, Petersgroden, Blauhand, Ellenserdammersiel, Steinhausen, Kranenkamp, Osterforde, Grabstede, Bockhornerfeld, Bredehorn, Moorwinkelsdamm, Jührdenerfeld und Goelriehenfeld. In und um Bockhorn gibt es viele Möglichkeiten für aktive Freizeitgestaltung.

Seit dem 4. Oktober 2002 besteht zwischen der Gemeinde Bockhorn und der Gemeinde Vértessomló/Ungarn eine Partnerschaft.

 

Besonders sehenswert: Skulptur Ziegeleiarbeiter auf dem Marktplatz in Bockhorn, Barocktür im Hause Jürgens am Marktplatz in Bockhorn, St.-Cosmas- und Damian-Kirche in Bockhorn mit der berühmten Chrsitian-Vater-Orgel, Naturschutzgebiet Urwald, Seefahrtsdenkmal in Steinhausen, Hankenhaus in Steinhausen, Klosterhöfe in der Gemeinde Bockhorn, Naturschutzgebiet Bockhorner Moor.