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Ansprache Internationaler Frauentag 8. März 2006

Einen wunderschönen guten Abend zusammen!

 

Vor einigen Jahren wurden in der Presse Frauenbeauftragte kritisiert, die anlässlich des Internationalen Frauentages nur sogenannte „Vergnügungsaktionen“ anbieten: Das hätte ja nichts mit dem „Gleichstellungsauftrag“ zu tun und man solle sich doch besser mit Themen wie Gleichberechtigung am Arbeitsplatz, Verbesserung der Kinderbetreuung, Gewaltschutz usw. auseinandersetzen. Schließlich war der „Internationale Frauentag“ seit weit über 90 Jahren immer ein Tag des Kampfes, ein Tag des Protestes und ein Tag des Zornes!!!!!!!

 

Früher war es  dieser T a g, an dem Frauen den Mut fanden, das anzuklagen, was sie bedrückt und an dem sie zeigten, das sie das Recht haben, Forderungen zu stellen, dass diese Forderungen berechtigt sind und dass sie damit nicht alleine dastehen.

 

In den vielen vergangenen Jahren haben Frauen gelernt, sich nicht mehr vorsagen zu lassen, was für sie die wichtigsten Themen sind. Sie haben gelernt, gegen welche Einengung und Unterdrückung jede einzelne sich wehren möchte. Sie werden schon mal lauter, wenn der Arbeitskollege schneller befördert wird oder es darum geht, mehr Kindergartenplätze zu fordern. Sie mögen sich schon mal bei der Handwerkskammer beschweren, wenn der Tischler kein Mädchen einstellen will. Sie lachen nicht mehr nur über einen anzüglichen Witz, den die Männer erzählen. Sie erzählen selbst einen solchen - und das viel besser!!!

 

Einer der größten und wichtigsten Schritte in den vergangenen Jahren war sicher die Verabschiedung des sogenannten Gewaltschutzgesetzes. Dieses ermöglicht den Frauen u. a., ihre gewalttätigen Partner mit polizeilicher Hilfe aus der gemeinsamen Wohnung wegweisen zu lassen.

 

Hiermit wurde das Thema „Häusliche Gewalt“ öffentlich gemacht. Gewalt ist nie privat. Wer zu Hause geschlagen und gedemütigt wird, braucht besonderen Schutz. Viel zu lange wurde die häusliche Gewalt totgeschwiegen. Das Gewaltschutzgesetz ist ein Meilenstein bei der Bekämpfung von Gewalt im häuslichen Bereich. In ihm ist der Grundsatz verankert: „Wer schlägt – muss gehen; das Opfer bleibt in der Wohnung.“

 

Wobei mit „Gewalt“ nicht nur die Form der körperlichen Übergriffe gemeint ist. Seelische Quälereien sind auf Dauer ebenso –wenn nicht sogar mehr- schmerzhaft und müssen bestraft werden.

 

Ich will auch nicht behaupten, dass es keine „ rabiaten“ oder trietzenden Frauen gibt:

 

Aber ohne es jetzt noch einmal genau nachgelesen zu haben, sage ich Euch, dass die Opfer zu über 80 % Frauen und auch Kinder sind.

 

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Viele Frauen haben inzwischen ihre eigenen Weg gefunden, unabhängig, glücklich und zufrieden zu sein:

 

Ich will damit sagen, dass Frauen heute doch schon oft für sich entscheiden können, ob sie ein kleines mittleres Unternehmen mit Namen „Familie“ leiten wollen, oder als Abteilungsleiterin bei VW ihre ganze Kraft in eine Karriere einer abhängig Beschäftigten einbringen möchten. Denn die Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind -auch bei uns in der Gemeinde- nicht so schlecht und sollen ja in naher Zukunft noch erweitert werden. Und wenn der Staat hier noch nicht alles auffangen kann, sollte geprüft werden, ob nicht doch untereinander geholfen werden kann: Die Freundin, die Nachbarin, die Sportkollegin und nicht zuletzt auch, Omas, Schwestern oder andere Verwandte sind vielleicht gar nicht so abgeneigt, mit einer zumindest stunden weisen Betreuung eines Kleinstkindes zu unterstützen.

 

Es sind nicht alle frauenrelevanten Themen völlig erledigt! Wir müssen auch weiterhin aufmerksam sein und uns insbesondere um diejenigen sorgen und bemühen, denen es nicht so gut geht wie uns. Das sind z. B. allein erziehende Mütter ohne familiäre Unterstützung, hilflose alte Menschen, Frauen, die wirkliche berufliche Nachteile durch ihr Geschlecht erfahren.

 

Für Frauen und Mädchen in unserer Nähe, denen Gewalt -ob seelisch oder körperlich- angetan wird, sollten wir uns ganz besonders einsetzen und sie ermutigen, diesen Qualen ein Ende zu setzen, in dem sie Hilfe zulassen.

 

Ich bin davon überzeugt, dass jede von uns einen sozialen Beitrag leistet:

sei es in der Familie, in der privaten Kinderbetreuung, in der Seniorenbegleitung, in der Nachbarschaftshilfe, in den Betrieben, in den vielen verschiedenen Frauenkreisen, im Präventionsrat oder eben auch als Ansprechpartnerin für hilfesuchende Frauen im Rathaus .

 

Und das nicht nur alljährlich zum 8. März, sondern das ganze Jahr über.

 

Deshalb haben wir es uns redlich verdient, auch an diesem 8. März etwas Schönes und Entspannendes zu erleben. Und damit wollen wir nun auch gleich beginnen:

 

Ich bedanke mich für Euren Besuch heute Abend und wünsche nun ganz viel Spaß bei unserer Aktion „Schönheit – neu erleben“. Macht es Euch gemütlich, trinkt und esst etwas und lasst Euch verwöhnen.

 

Petra Janssen und Gaby Lehde, die uns den heutigen Abend im wahrsten Sinne des Wortes „verschönern“ wollen, erwarten Euch in ihren  kleinen „Salons“. Petra und Gaby: Ich danke Euch für Eure Unterstützung. Vielen Dank!

 

Zum Schluss sage ich auch ganz herzlich „Danke“ an Ingrid Grübnau. Sie hat uns wieder mal ihre gemütliche Bücherei zur Verfügung gestellt.

 

 

Gisela Schweers-Steindor

Gleichstellungsbeauftragte

 

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