Online-Veranstaltung

 

Der Präventionsrat der Gemeinde Bockhorn hatte am 2. Juni 2021 zu einer öffentlichen Online-Veranstaltung zum Thema „Wie kann uns eine inklusive Willkommenskultur gelingen? Inklusion als Querschnittsthema denken und verstehen“ eingeladen.

 

„Mit unserer Referentin Maren Grübnau, einer gebürtigen Bockhornerin, haben wir eine wirkliche Fachfrau, die zur Zeit ihre Doktorarbeit im Bereich Teilhabe/Forschung schreibt,  gewinnen können“, freute sich die Präventionsratsvorsitzende Christel Bartelmei. Sie hatte zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinde Bockhorn, Gisela Schweers, den Abend organisiert.

 

Zunächst stellte Maren Grübnau den Teilnehmern die Ausgangslage vor.

 

Mit dem Begriff „Ableismus“ bezeichnet man die verschiedenen Facetten der Andersbehandlung, denen Menschen mit Behinderungen oft ausgesetzt sind und die eine gleichberechtige Teilhabe in der Gesellschaft be- oder verhindern.

 

Während beim Rassismus die Hautfarbe und die Herkunft im Fokus steht, spielt bei Ableismus vor allem die Nichterfüllung von Normalitätsanforderungen bestimmter körperlicher oder geistiger Fähigkeiten eine Rolle. Typische Zuschreibungen und Vorurteile sind, dass Menschen mit Behinderungen schwach, unselbständig, nicht leistungsfähig, abhängig und hilfebedürftig seien. Das schlägt sich in ein bemitleidendes, herabsetzendes und diskriminierendes Verhalten der Gesellschaft gegenüber Menschen mit Behinderungen nieder.

Frau Grübnau machte deutlich, dass dies so von den Menschen mit Beeinträchtigungen nicht gewollt sei. Sie wollen und müssen als selbstverständlich angenommen und behandelt werden.

 

In mehreren Alltagsschilderungen verdeutlichte sie die Problematik. So führte sie eine Begegnung mit einem kleinen Kind und seiner Mutter an, bei dem sie durch das Kind als Frau mit einem langen Stock wahrgenommen wurde und das seine Mutter deshalb befragte, was die Frau denn habe. Statt die Funktion des Blindenstocks zu erläutern oder Maren Grübnau einfach anzusprechen, habe die Mutter dem Kind nur gesagt, das sei eben eine Behinderte.

Und hier fange das Problem der Ungleichbehandlung bereits an, erläuterte Grübnau: „Ich bin eine Frau, die nicht gut sehen kann und deshalb einen Blindenstock verwende, um so durchs Leben zu gehen, wie es alle tun.“ Jeder Mensch mit Beeinträchtigungen habe das Recht als Mensch und Persönlichkeit wahrgenommen zu werden.

 

Was kann besser werden? Dazu sprach Maren Grübnau die Barrieren und Chancen in den Lebensbereichen Arbeit und Freizeit an. Im Bereich Arbeit stehen gerade Frauen mit Behinderung auf dem letzten Platz des Einkommensrankings trotz guter Ausbildung. Bei einem inklusiven Arbeitsumfeld gehe es sowohl um Auswahl-, Einstellungs- und Beschäftigungsbedingungen als auch um Chancengleichheit, gleiches Entgelt für gleiche Arbeit, gesunde Arbeitsbedingungen und Schutz vor Belästigung.

 

Im Bereich der Freizeitgestaltung sei ein enormes Potenzial für die Realisierung von Inklusion vorhanden. 80% der Menschen mit Behinderung besuchen selten oder nie kulturelle Veranstaltungen, das Interesse sei aber genauso ausgeprägt wie bei Menschen ohne Behinderung. Der Abbau von sozialen Barrieren, Barrierefreiheit für alle und Vielfalt in der Gesellschaft, hier insbesondere „Offenheit gegenüber anderen“, müsse das Ziel einer lebendigen Gesellschaft sein. 

 

Mit einer lebendigen Diskussion, die auch den Bereich Schule und Bildung nicht aussparte, endete ein informativer Abend.

 

Christel Bartelmei glaubt, dass sich die Gesellschaft teilweise von altem Schubladendenken befreien muss. „Barrierefreiheit bedeutet, dass Menschen nicht an einer selbstbestimmten Teilhabe an der Gesellschaft gehindert werden.

Dabei geht es nicht zuletzt auch um die Barrieren in den Köpfen der Menschen.“